16. Mai 2009 Gesamteindruck: *** (mittelmäßig)
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Schauspieler: ***
Story: ****
Plot: **
Musik: *******
Hach ja… Illuminati… Dan Brown… Sakrileg… Hm, ich muss ganz ehrlich sagen, schon Sakrileg hat mich abgeschreckt. Dan Brown mag es verstehen populärwissenschaftliche Themen in aberwitzige Verschwörungstheorien zu verstricken und in seinen Romanen mit einfachen Mitteln Dramatik und Geschwindigkeit zu erzeugen. Und natürlich wird so etwas gerne gehypted. Und natürlich gibt es genug Leute, die mindestens die Hälfte von alle dem für bare Münze halten. Und genau da ist mein Problem mit Dan Brown, Robert Langdon und Co. Sie agieren in einer scheinbar realen Welt, die so allerdings garnicht funktioniert. Abgesehen davon, dass ich kein Verschwörungsfanatiker bin, musste ich bei Illuminati bezüglich der Logik zu oft mit den Augen rollen. Bereits die CERN-Szene ist der ober- Bullshit und die “Antimateriebombe” als Basis der kompletten story damit leider nicht viel mehr als hirnrissiger Science-Fiction-Feuchte-Hose-Traum-eine-vierzehnjährigen- Geeiere… Am Ende müsste der Film Science Fiction sein. Vor diesem Hintergrund mag der story- Verlauf dann (im Hirn-AUS Modus) funktionieren und durchaus interessant und kurzweilig daherkommen. Aber leider nimmt sich der Film so ULTRA-Ernst, dass man ihm weder das eine Genre, noch das Andere abnimmt.
Und er ist so völlig übertrieben und voller Logikfehler, dass man teilweise nicht hinschauen mag… Das fängt bei der kumulierten Antimateriemasse an. Geht weiter, wenn es darum geht, dass Antimaterie mit Hilfe eines Akkus in einer Rohrpost-Röhre stabil gehalten wird. Einer der Höhepunkte ist dann das “Erstickungsszenario” in den Archiven des Vatikan: Strom geht aus - Sauerstoff verschwindet… Passiert bei mir hier nicht, wenn der Strom ausfällt… Wie wird denn bei einem “Stromausfall” (ein kontrolliertes Abschalten trifft es ja viel eher) plötzlich wieder ein Vakuum erzeugt? Mit ner Handpumpe? Oder atmen Langdon und sein Raucher- Kollege innerhalb von 5 Minuten nen paar hundert Kubikmeter Sauerstoff weg? Achja, und warum funktionieren die Sauerstoffsensoren, das toll grafisch aufbereitete Grafikdisplay mit voller Hintergrundbeleuchtung, die Notöffnung der Türen vom Inneren heraus jedoch nicht?
Also entweder ist die Vorlage vollgepackt mit diesen Unzulänglichkeiten, oder aber das Drehbuch wurde von RTL2- Redakteuren geschrieben. Dazu zählt unter anderem der Plot, den der Camerlengo ja geschickt eingefädelt hat. Das habe ich schon an Saw zu kritisieren vermag… Es werden Sachen geplant, bei denen man sich doch eigentlich mal fragen müsste: Und das soll am Ende auch alles genau so funktionieren? Dazu kommen noch ganz viele inhaltliche Schnitzer, die es mehr oder weniger gründlich alle bei Wikipedia nachzulesen gibt. Aber wir wollen nicht päpstlicher als der Papst sein
Insgesamt ist ja eigentlich alles um die Illuminati, geschichtliche Figuren und die Kirche irgendwie so zurechtgebogen worden, wie man es für den Film/ das Buch Buch brauchte…
[Nachtrag]Wenn man sich mal im Wikipedia eine Zusammenfassung des Buches durchliest, dann liegen die Unzulänglichkeiten des Filmes wohl an der Vorlage, von der sich der Film (wohl zum absoluten Glück des Filmes) sehr weit entfernt. Das ist ja haarsträubend, was man da lesen muss. Erschreckend, dass damit Geld verdient wird… Wahnsinn…[/Nachtrag]
Aber ganz davon abgesehen ist die größte Schwäche des Films sein gnadenlos minderbemittelter Umgang mit den Charakteren. Wenn man mal wirklich gutes Kino gesehen hat, dann wird einem auffallen, wie hier versucht wird auf Teufel komm raus mit dem Vorschlaghammer Charaktereigenschaften herauszuarbeiten: Robert Langdon ist da noch der sympathischste von allen. Aber auch nur, weil er keine Ecken und Kanten hat. Wenn er eine hätte, dann hätte man diese wahrscheinlich genauso bescheuert überzeichnet, wie es bei ALLEN anderen Charakteren im Film der Fall ist. Da haben wir den ach-so-bösen Chef der Schweizer Garde, dem man auf Teufel komm raus abkaufen soll, dass er irgendetwas behindern oder vertuschen will. Und auf der anderen Seite den handzahmen Camerlengo, den man einfach nur knuddeln möchte. Irgendwie ein bisschen zu auffällig ambivalent diese beiden, nicht? Und diese komische Physikerin war ja die Allerschlimmste von allen… Was war sie eigentlich? Physikerin? Historikerin? Kunstgeschichtlerin? Medizinerin? Symbologin? Eine EIERLEGENDEWOLLMILCHSAU? Sie und Langdon, ein Paradebeispiel von “Stichwortgeber and his wife”… Diese bedeutungsschwangeren Blicke und die, wie Offenbarungen wirkenden, Bekenntnisse konnten mir so manchen Würgereiz bescheren. Einfach nur schrecklich diese Frau. Und am Ende konnte sie doch nix reißen, von wegen Akkuwechsel und so… Wen haben wir denn noch, der nich einfach nur blöd in der Ecke rumsteht… Achja, den Zeremonienmeister hätt ich beinahe vergessen. Er dümpelt irgendwo zwischen belanglos und “der hat Dreck am stecken” herum, bis er dann auf einmal der einzig coole Stecher in the hood ist. Alles irgendwie vorhersehbar und langweilig inszeniert. Die komplette Cast. Alle spielen mehr oder weniger auf Autopilot und müssen sich wahrscheinlich einem schlechten Drehbuch und einer schlechten Regieleistung beugen. Und wo wir schon bei den Schauspielern sind, gab es da auch ein ganz besonders ärgerliches Missgeschick bei der deutschen Synchronisation: Irgendwie klingt die Hälfte der Cast streckenweise, oder wie im Falle von Mr. Langdon die ganze Zeit so, als müssten sie mit beteubter Zunge sprechen.. Was war denn da los? Hat da einer in der Tontechnik gepennt? Oder gar nen Besuch beim Logopäden nötig?
Insgesamt muss man dem Film allerdings eines lassen: er hat seine Momente. Er ist nicht unspannend, wenn man alles Störende mal kurz auszublenden vermag. Und das muss man, sonst ist man bei diesem Film gnadenlos enttäuscht… Hier wurde mit viel Aufwand ein auf Hochglanz geleckter Streifen gedreht, der dem Ruf des Publikums bereitwillig folgt, den Hype um Dan Brown auszunutzen, weil es gerade IN ist Dan Brown und Verschwörungstheorien cool zu finden und nicht weiter zu hinterfragen. Das ganze wird dann vermanscht mit einem bisschen an den Haaren herbeigezogener Wissenschaft und schließlich als insgesamt recht ungewürztes Menü in 3 Gängen serviert. Dabei ist das ganze dann auch noch schön auf Versöhnung mit Kirche und Co. angelegt. Also was will der Otto- Normal- Verbraucher mehr?
Cinema.de hat einen sehr treffenden Satz beizusteuern: “Ron Howard ist es lediglich gelungen, eine haarsträubende Story von ihren kuriosesten und blödsinnigsten Wendungen zu befreien. Und doch siegt am Ende die sakrale Wucht der Inszenierung über alle Logik. Dem Papst dürfte das gefallen. Fazit: Die Story des Films ist schlüssiger als die des Buches, aber die bombastische Inszenierung wirkt geradezu erschlagend.”
Der einzige durchgängige Höhepunkt ist die grandiose und zu Recht mit 7 Punkten bewertete Soundtrack von Hans Zimmer. Einfach nur genial!
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